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"Von der Pressefreiheit hängt praktisch jede andere Freiheit ab", sagte der spanische Schriftsteller und Karls-Preisträger de Madariaga y Rojo.
"Reporter ohne Grenzen" steht für das Leitbild einer freien und unabhängigen Presse. Ihre Programmatik ist die Verteidigung dieses Gutes, verstanden als Menschenrecht im Sinne der Menschenrechtskonvention, sich überall auf der Welt unangefochten zu informieren und informiert zu werden.
Sehr geehrter Monsieur Julliard, Sehr geehrte Frau Schäfter, verehrte Ehrengäste und Gäste
Das Kuratorium der Médaille Charlemagne ehrt "Reporter ohne Grenzen" für ihren herausragenden Einsatz für die Freiheit der Presse.
Die Meinungsfreiheit ist ein wesentliches Fundament des demokratischen Europas. Mit der Médaille Charlemagne werden die Menschen geehrt, die hinter der Organisation "Reporter ohne Grenzen" stehen und durch ihre engagierte und couragierte Arbeit einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung der Pressefreiheit leisten.
"Reporter ohne Grenzen" setzt sich international für die Freiheit der Meinungsäußerung ein und kämpft gegen Zensur und Repression. Verfolgte und inhaftierte Journalistinnen und Journalisten werden unmittelbar unterstützt, durch praktische juristische Hilfe, Flüchtlingshilfe und Flüchtlingsbetreuung. Die weltweite Vernetzung der "Reporter ohne Grenzen" sorgt dafür, dass Missstände und Verfolgung an die Öffentlichkeit kommen und sorgt auch dafür, dass wir nicht weg sehen können.
Unfreie Regime fürchten die Kraft des Wortes, die Äußerung der freien Meinung. Für solche Regime sind freie Journalistinnen und Journalisten eine letale Gefahr. Ihr Kennzeichen ist die kontrollierte, gesteuerte und damit unfreie Presse. Je schwächer die innere Verfasstheit eines Staates ist, desto brutaler bekämpfen ihre Machthaber das Aufdecken von Machtmissbrauch und Korruption. Freiheitsentzug, Folter und Mord sind die brutalen Mittel, mit denen Journalistinnen und Journalisten zum Schweigen gebracht werden. Mit perfiden Handlungen, Schikane sowie der Bedrohung von Angehörigen und Freunden sollen die Persönlichkeit und die Integrität der Journalistinnen und Journalisten zerstört werden. Den Menschen, die all dies auf sich nehmen und trotzdem weiter machen, zollen wir unseren höchsten Respekt.
Die freie Berichterstattung und die Möglichkeit, ungehindert zu recherchieren und politisch brisanten Themen eine Öffentlichkeit zu geben, gehören als elementares Menschenrecht zur Verwirklichung der Einheit Europas. Werden Medien und Journalisten durch Anschläge, Schikane, Zensur und Verbote in ihrer Existenz oder Arbeit bedroht, hat die Demokratie keinen Raum.
"Reporter ohne Grenzen" werden mit der Médaille Charlemagne geehrt, weil sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Wertefundament Europas leisten. Der Einsatz der Journalistinnen und Journalisten ist dabei von Verantwortung und Mitmenschlichkeit geprägt, diese Haltung beeindruckt das Kuratorium der Médaille Charlemagne zutiefst.
Wir haben "Reporter ohne Grenzen" aufgrund ihres weltweiten Netzwerkes Informationen zu verdanken, die ein Gradmesser für den Stand der Presse- und Meinungsfreiheit sind. Die Organisation beobachtet weltweit die Entwicklungen mit Sachverstand und Sensibilität. Ihr globales Netzwerk ist die Grundlage für Unterstützungsleistungen und Recherchearbeit. Durch ihre Aktivitäten sorgen sie auch dafür, dass Verbrechen und Inhaftierungen nicht in Vergessenheit geraten.
Das Kuratorium zeichnet "Reporter ohne Grenzen" mit der Médaille Charlamagne auch deshalb aus, weil die Organisation darauf aufmerksam macht, wie es um die Pressefreiheit in Europa steht und verdeutlicht, welchen Stellenwert sie für die Einheit Europas hat. Dabei führen sie uns vor Augen, welches fragile Gut die Pressefreiheit auch bei uns ist.
Denn auch in Europa gibt es Gefahren für die Pressefreiheit, denken wir beispielsweise an die Vermachtungsprozesse in Italien. Wir können aber auch nicht damit zufrieden sein, dass Deutschland nur auf Platz 20 der Rangliste der Pressefreiheit steht, die von "Reporter ohne Grenzen" erstellt wird.
"Reporter ohne Grenzen" sensibilisiert auch für schleichende Prozesse, die sich negativ auf die Pressefreiheit auswirken. Das Zeugnisverweigerungsrecht der Journalistinnen und Journalisten ist unbestritten eine elementare Voraussetzung für die Pressefreiheit. Ohne vor staatlichen Zugriff geschützte Redaktionsräume, Computer-, und Mobilfunkdaten, ist die freie Recherche gefährdet.
Mit Schrecken sehen wir allerdings auf Russland, wo kritische Journalistinnen und Journalisten ermordet werden: Wir denken an Anna Politkowskaja. In diesem Jahr wurde die junge Journalistin Anastasija Baburowa zusammen mit dem Anwalt Stanislaw Markelow ermordet, weil sie sich einer freien Öffentlichkeit verpflichtet fühlten und unabhängig recherchierten und berichteten.
Die Arbeit der "Reporter ohne Grenzen" macht deutlich, dass die Gemeinschaft im Wege der europäischen Integration gefordert ist, sich für die Meinungs- und Pressefreiheit einzusetzen, auch über die Grenzen Europas hinaus. Die Organisation mahnt diese Verantwortung durch ihren Einsatz an.
Mit den Mitgliedern des Kuratorium und des Vereins freue ich mich darüber, dass wir die Médaille Charlemagne heute dem Generalsekretär der "Reporter ohne Grenzen", Monsieur Jean-Francois Julliard, überreichen. Das Kuratorium ehrt damit zugleich die Menschen, die sich in der Organisation für die Pressefreiheit engagieren.
Wir zollen unseren Respekt den Journalistinnen und Journalisten, die sich unerschrocken für die Pressefreiheit einsetzen und gedenken derer, die für diesen Einsatz ihr Leben ließen.
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