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Preisträger : André Rieu

 

 

Rede Michael Kayser

Rede zur Preisverleihung an André Rieu am 6. Mai 2010

Michael Kayser ist Kuratoriumsmitglied des Trägervereins.

Das Kuratorium würdigt mit der Vergabe der 10. Médaille Charlemagne pour les Médias Européens an André Rieu seine Verdienste um die Vermittlung klassischer Musik in Europa und weltweit. Sein Verdienst besteht darin, mittels des Fernsehens, der CD, DVD und Großbildleinwänden über seine Konzerte, hinaus ein zahlenmäßig ebenso großes wie begeistertes Publikum zu erreichen. Rieu präsentiert klassische Musik in populären Formen unter Nutzung von Showeffekten. So nimmt er dem Publikum die Schwellenangst vor dem Besuch eines Konzerts und vor dem Genuss der klassischen Kunst als etwas Elitärem. Damit verwirklicht er das Konzept der „Kultur für alle“. Rieu erreicht durch die Vermittlung von europäischer Musiktradition ein Besinnen auf gemeinsame kulturelle Wurzeln Europas. Mit seinen Inszenierungen reißt er sein Publikum zu Beifallsstürmen hin. Rieu präsentiert und findet eine musikalische Sprache, die jeder Europäer versteht, gewissermaßen ein paneuropäischmusikalisches Esperanto. Er wirkt dadurch gerade auch in Europa völkerverbindend und leistet einen unschätzbaren Beitrag zur Identifikation seines Publikums mit der europäischen Kulturtradition.

Rieu bietet mit seinem – gewissermaßen niederschwelligen – Angebot der Kulturvermittlung eine Möglichkeit, die mithilft, ein Europa von unten zu bauen, das über die – häufig nur selbsternannten Eliten hinaus – alle Europäer anspricht.

Schon Rieus Werdegang spiegelt eine europäische Orientierung wieder. Sein Vater, seinerzeit Chefdirigent der Leipziger Oper in der Zeit der DDR, ermöglichte dem Sohn eine fundierte Musikerausbildung, u.a. bei dem berühmten ungarischen Geigenlehrer André Gertler. Er spielte in seinen ersten Jahren im vom Vater geleiteten LSO, dem Limburgs Symfonie Orkest Maastricht und später mit dem „Het Maastrichts Salon Orkest“ vor allem im belgischniederländisch-deutschen Grenzgebiet. Hier wendete er sich vorzugsweise der jüdischen europäischen Komponistengeneration der Strauß-Familie und Franz Lehar zu. Er spielt vorzugsweise heute auf einer Stradivari Violine aus Cremona.

Mit dem von ihm 1987 gegründeten, international zusammengesetzten Johann Strauss Orchester mit 50 Mitgliedern gastiert er nicht in Europa sondern weltweit. Seine Reputation, seine Popularität über seinen Herkunftskontinent hinaus machen den Sohn der Europastadt Maastricht zu einem global agierenden Botschafter Europas.

Soweit die offizielle Begründung:

Sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Herr Rieu,

meine Ausführungen möchte ich voranstellen, dass wir diese Medaille nicht für die Musik oder das Orchester von André Rieu verleihen, sondern für den Beitrag, den er persönlich mit seinem Orchester und seinen Konzerten für die Einigung Europas leistet. Als Sohn eines bekannten Konzertmeisters und einer Opersängerin bin ich eigentlich zu befangen so etwas zu sagen, denn Musik war natürlich ein Teil meines Lebens und ich weiß wie schwer es ist, mit Musik anderen Menschen zu gefallen und dazu noch eine Familie zu ernähren.

Aber es geht hier bei unserer Preisverleihung nicht um philharmonischen Dünkel, nicht darum, ob man klassische Musik in der dargeboten Form mag, sondern darum, dass das Orchester von André Rieu ein Spiegelbild Europas ist, in dem Luxemburger, Belgier, Niederländer, Deutsche, Franzosen, Schweizer, Österreicher spielen und ungarische Tenöre mit US-amerikanischen und australischen Sängerinnen auftreten. André Rieus Orchester ist das Vereinte Europa und agiert durch seine Konzerte in den USA, Kanada oder Südafrika als Botschafter unseres europäischen Kontinentes.

Wenn ich sein, ja fast jedes Jahr vom ZDF übertragenes, Konzert aus Maastricht sehe, dann sehe ich Flamen, Wallonen, Holländer, Belgier, Deutsche, selbst Kölner, Düsseldorfer und Aachener einträchtig der Musik des Johann Strauss Orchesters lauschen und es gibt nur eins: Gemeinsame Freude.

Mit dem Beitritt der Stadt Maastricht zu unserem Europäischen Verein Medaille Charlemagne sind wir auf die Idee gekommen, André Rieu, als Sohn der Stadt Maastricht in diesem Jahr auszuzeichnen.

Er hat etwas mehr als über eine halbe Million  Menschen in allen Ländern der Welt im Jahre 2009 bewegt, eine Eintrittskarte zu kaufen, also muss seine Art der Musik schon etwas Besonderes sein.

Nur drei Pop-Gruppen hatten mehr Zuschauer. Da sind wir bei der Musik. Ein klassischer Musiker ist ein Nachschaffender, so mein Vater. Er spielt Musik, die oft vor hunderten von Jahren komponiert worden ist auf Instrumenten, wie André Rieus französischer Vulleaume-Geige, die mein Vater auch spielte, die selbst hunderte von Jahren alt sind.

Heute ist diese Geige durch eine Stradivari ersetzt. Das ist das faszinierende, es gibt nicht alte und junge Musik, Unterhaltungs- und Ernste-Musik, sondern nur Musik die die Menschen mögen oder auch nicht mögen.

Diese alte, gute Musik, für die heutige Zeit arrangiert, ist das völkerverbindende Erfolgsgeheimnis des Andre Rieu.

So ist uns die Wahl in diesem Jahr leicht gefallen, dem Europäer André Rieu die Médaille Charlemagne pour les Média Européenes zu verleihen.

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